Spätsommer

vom Obst, Insekten und großen Hunden

oder die flüchtende Fliege

Da ist er, der Spätsommer. Die Felder und Wiesen werden gemäht und endlich kann man mit seinem Hund die Wege wieder verlassen. Aber Vorsicht, denn das Obst wird reif und liegt zum Teil bereits auf dem Boden. Die Besitzer von Labradoren können ein Liedchen singen, denn diese finden, zumindest in der Nähe typisch schwäbischer Streuobstwiesen erst einmal keine “reizarme” Umgebung.

Für diese sympathischen “Fressmaschinen” eignen sich daher eher abgeerntete Kornfelder. Sofern der Hund nicht Gefallen am Ausgraben von Mäusenestern gefunden hat, also eher auch das nicht.

Für Hunde anderer Rassen sind die Wiesen allerdings auch nicht ohne Hürden. Denn nicht nur Labbies sind auf alles Essbare scharf, nein auch Wespen erfreuen sich derzeit am herumliegenden Überangebot von gefallenem Obst. Nur allzu schnell kassiert man, egal ob Herrchen, Frauchen oder Hund den Stich eines erbosten Insekts. Und schön ist sowas nicht.

Normalerweise passiert bei einem Stich in die Lefze nicht viel. Mit unter erscheint zwar die Schwellung monströs aber was sich als richtiger Labrador versteht lässt sich von so etwas nicht lange abhalten. Ich hörte sogar schon vom Gegenteil. Daß ein Hund das Rauscherlebnis eines Wespenstiches so überzeugend schön empfand, dass er fortan, sobald er eine Wespe in erreichbarer Nähe wähnte, diese dermaßen drangsalierte, nur um einen Stich in die Zunge zu provozieren. Zugegeben, das sieht urkomisch aus, gut heißen sollte man ein solches Verhalten trotzdem nicht. Denn auch für Hunde kann ein Stich in den Rachen durchaus gefährliche Folgen haben.

Mein eigener Hund hat, so scheint es, eine ganz andere Marotte zum Thema Insekten entwickelt. Er, ein Maremmano, hat beschlossen, vermutlich aus Ermangelung an Wölfen, Luchsen und Bären, dass dieses flugfähige und nervig surrende Insektenzeugs fortan sein Feindbild darstellt. Somit muss es auch von seiner Herde (also mir) ferngehalten werden. Ach wie praktisch könnte man denken, sollte sich jedoch erst einmal die Größenverhältnisse klar machen bevor man Heureka ruft.

Neulich ist es ihm sogar gelungen trotz proportionaler Schwierigkeiten einen solchen Brummer zwischen die Fangzähne zu bekommen. Wohl eher aus Zufall als aus Geschicklichkeit, denn die riesenhafte Stubenfliege hatte zuvor, bei Höchstgeschwindigkeit, Bekanntschaft mit der Fensterscheibe gemacht und taumelte benommen auf dem Fußboden herum. Die Gelegenheit schien dem Flokati auf vier Pfoten recht günstig zu sein und hechtete, mit geringer Agilität, auf den schwarzen Punkt am Fußboden zu. Glücklicherweise war diesmal kein Stuhl oder Blumentrog im Wege, so dass die Attacke zunächst erfolgreich verlief.

Stolz und demonstrativ schmatzend kaute der Herdenschützer auf seiner so spektakulär erlegten Beute herum. Bis er, nach wenigen Minuten, das Interesse verlor oder einfach vergessen hatte warum er das tat. Mit beschwichtigendem Gähnen versuchte er nun die Aufmerksamkeit der mäßig intelligent glotzenden Herde (also ich wieder) von sich abzulenken, was der Mücke, die sich inzwischen vom Frontalzusammenstoß mit der Fensterscheibe erholt hatte, die Gelegenheit bot aus dem offenen Maul zu fliegen, was sie dann auch tat.

Bemerkt hat er sie nicht, die flüchtende Fliege. Naja, zum Glück war es keine Wespe.

Bleiben Sie tierlieb,

Ihr Fabian Langer